Ab durch die Hecke oder wie Du mit Hecken den Garten gestalten kannst

Veröffentlicht von Tine von pflanzenschoen am

Viele kennen sie: Die Thujenhecke. Grün, blickdicht, formschön – und doch irgendwie tot. Kein Summen, kein Zwitschern, kein Duft. 

Mit Übernahme des pflanzenschön-Gartens gab es einige vorhandene Thujen dazu. Und schnell war klar – sie müssen weg. Nicht nur, weil sie immer kümmerlicher aussehen, sondern auch weil sie keinen ökologischen Wert haben. Weder Vögel noch Insekten finden dort Nahrung oder Schutz. Es gibt viel schönere und wertvollere Alternativen für einen naturnahen Garten.

Da jedoch zuerst eine gewisse Grundordnung auf dem Grundstück entstehen musste, war an Gestalten und Aufwerten zu Beginn nicht zu denken. Die größten Kämpfe mit den Brombeerranken sind nun ausgefochten und die ersten Beete angelegt. Hier kannst Du nachlesen wie es mit dem pflanzenschön-Garten los ging.

Nun endlich war es soweit: Die immer mickriger aussehende Thujen-Hecke an der oberen Grundstücksgrenze wurde komplett gegen eine hübsche und für die Natur wertvolle zweireihige Sichtschutz-Hecke – locker, bunt und lebendig – ausgetauscht.

Argumente gegen Thuja

  • Kein Futter für Insekten, da kein Nektar vorhanden
  • Wird nicht als Nistplatz genutzt, da zu dicht gewachsen
  • Giftig
  • Unter den Thujen verkahlt der Boden

Bereits im Frühjahr hatten die ersten Thujen ganz aufgegeben und wurden durch Eingriffeligen Weißdorn, Vogelbeere und Liguster ersetzt. Mir schwebte für diesen Bereich eine locker gestaltete, bunte, zweireihige Hecke vor.

Dafür sind nun noch Eibe, Pfaffenhütchen und Feldahorn eingezogen. Eine solche frei wachsende Hecke braucht etwas mehr Platz als eine klassische Hecke. Sie muss dafür aber nicht mehrmals im Jahr akkurat in Form geschnitten werden, um gut auszusehen.

Der Bereich liegt fast den ganzen Tag im Schatten. Nur morgens erreichen ihn ein paar Sonnenstrahlen.

Pflanzplan:
2x Eingriffeliger Weißdorn, Vogelbeere, Feldahorn, 2x Eibe, 2x Liguster, Pfaffenhütchen

Warum fiel meine Wahl auf diese Sträucher?

Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna)
Höhe 5-7 m, verträgt Rückschnitte sehr gut
Blütezeit Mai bis Juni mit weißen Blüten 
Standort Sonne-Halbschatten

Ist ein heimisches Pioniergehölz, sehr winterhart und verträgt Trockenheit gut. Wächst als malerischer Großstrauch, dient den Vögeln als Brutplatz, Insekten und Schmetterlingen als Futterquelle. Anspruchslos gegenüber Boden und Pflege, färbt sich im Herbst gelb. 

Eberesche/Vogelbeere (Sorbus aucuparia)
Höhe 3-4 m, Rückschnitte von Januar bis März gut möglich 
Blütezeit Mai bis Juni mit weißen Blüten 
Standort Sonne-Halbschatten

Ist ein heimisches Vogelnährgehölz, winterhart, wächst schnell, als Strauch oder Baum, schöne Herbstfärbung in gelb und orangerot, trägt ab August bei Vögeln beliebte leuchtend rote Beeren, die zum Zweitnamen Vogelbeere geführt haben. Anspruchslos was Boden und Pflege betrifft. 

Feldahorn (Acer campestre)
Höhe als Hecke 3-5 m, generell 5-15 m, verträgt Rückschnitte sehr gut 
Blütezeit im Mai mit unscheinbaren grüngelben Blüten 
Standort Sonne-Halbschatten

Ist ein heimischer, robuster und windfester Strauch, winterhart, wächst schnell und ist bissfest ggü. Wildtieren. Schöne Herbstfärbung in gelb bis orange, bietet Insekten Nahrung und Vögeln Nistmöglichkeiten. Pflegeleicht und Trockenphasen machen ihm nichts aus.

Eibe (Taxus baccata)
Höhe 2-10 m, Formschnitte gut möglich 
Hat keine Blüten 
Standort Sonne-Schatten

Immergrünes heimisches Nadelgehölz, lässt sich gut formen und ist winterhart. Ist eine klassische Pflanze für blickdichte Hecken und dient den Vögeln bei entsprechender Höhe als Brutplatz. Hat keine besonderen Ansprüche an Pflege und Boden und kommt auch mit schwierigen Standorten zurecht. Achtung giftig!

Liguster (Ligustrum vulgare)
Höhe 2-5 m, sehr schnittverträglich
Blütezeit Juni – Juli mit weißen Blütenrispen 
Standort Sonne-Schatten

Klassische heimische Heckenpflanze, winterhart und unkompliziert in der Pflege. Stellt keine Ansprüche an den Boden, wichtiges Bienennährgehölz, gibt Vögeln einen Brutplatz und hält den Wind ab. Wächst schnell zu einem hohen Strauch.

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
Höhe 2-6 m,
Blütezeit Mai bis Juni mit gelblich-grün bis grünlich-weißen Blüten 
Standort Sonne-Halbschatten

Heimisches Wildgehölz, verträgt Wind und ist frosthart, wächst bis zu 25 cm im Jahr, stellt keine Ansprüche an Boden und Standort, tolle Herbstfärbung in gelborange bis dunkelrot. Ist eine Bienenweide und auch für Vögel ein wichtiges Gehölz. Kommt sowohl mit Trockenheit als auch mit Überschwemmung klar. Die Form der Früchte verliehen ihm den deutschen Namen. Achtung giftig.

Hecke als Raumteiler und Blickstopper 

Hecken lassen sich nicht nur als lebender Sichtschutz am Grundstücksende im Garten einsetzen, sondern auch um einen Raum zu gestalten. Damit der erste Gartenbereich nicht direkt auf einen Blick zu überschauen ist, hatte der Vorbesitzer auch Thujen gepflanzt, die nun ebenfalls weichen mussten. 

Ersetzt habe ich sie mit einer Reihe von Blutbuchen (Fagus sylvatica ‚Purpurea‘). Die ‚Purpurea’ ist die ideale Heckenpflanze, wird 2,5-3 m hoch und wächst dicht mit geraden, hohen Stämmen. Die Blüten sind unscheinbar, grüngelb bis rötlich. Der ideale Standort ist in der Sonne/im Halbschatten. Sie ist winterhart, wächst bis zu 50 cm im Jahr und verträgt Rückschritte sehr gut. Ihr rotes Laub macht sie zu einem Blickfang im Garten. Blutbuchen sind die Zierform der Rotbuche. 

In den letzten Jahren habe ich eine der Thuja-Pflanzen in der Weihnachtszeit als Wichtel dekoriert. Deshalb durfte vor der Blutbuchenhecke noch eine Eibe einziehen. Diese werde ich nun als Kegel erziehen, damit auch in Zukunft wieder der Weihnachtswichtel dekoriert werden kann.

frisch gepflanzte Blutbuchen im Herbst

Am Rande des Obstgartens, ungefähr in der Mitte des Grundstücks, ist der Kompostplatz. Nützlich, aber auch nicht unbedingt so schön anzusehen. 

Um den Kompost zu verdecken, habe ich eine Hecke aus Alpen-Johannisbeere ‚Schmidt‘ (Ribes alpinum ‚Schmidt‘) gepflanzt.

Sie wird 1-2,50 m hoch, wächst dicht und kompakt und ist wildverbissfest. Die Alpen-Johannisbeere treibt schon früh im Jahr aus und blüht grünlich-gelb von April bis Mai. Der ideale Standort ist im Halbschatten/Schatten. Sie ist frosthart, hat eine hohe Schattenverträglichkeit und kommt mit Wurzeldruck klar. Der Strauch wächst langsam, aber stetig und ist robust. Die Alpen-Johannisbeere verträgt Wind und dient den Insekten mit Nahrung. Besonderheit: Besitzt rein männliche Blüten, daher kein Fruchtansatz.

Alpen Johannisbeere frisch gepflantt Herbstplfanzung
frisch gepflanzte Alpenjohannisbeeren im Herbst

Dufthecke – Sträucher mit dem gewissen Extra

Ich möchte den Lebensraum und das Nahrungsangebot von Vögeln und Insekten noch weiter unterstützen und habe mir dafür eine sonnige Fläche am seitlichen Grundstücksrand ausgesucht, um dort eine Dufthecke entstehen zu lassen.

Es gibt dort bereits einen großen Flieder. Dieser wurde ordentlich ausgelichtet und eine zweite, aus Wildtrieben gewachsene Pflanze, wurde an die passende Stelle umgesetzt. Das Ganze eignet sich wunderbar, um mit weiteren Sträuchern ergänzt zu werden und langfristig auch den Blick auf Nachbars Schuppen zu verdecken.

Ein Plätzchen in der Dufthecke bekommen:
Kupferfelsenbirne, Perückenstrauch, Schlehe, bestehender Flieder, gewöhnlicher Pfeifenstrauch, Mönchspfeffer, Gemeiner Schneeball 

Hecken können mehr

Du siehst, lebendige Hecken sind kleine Ökosysteme. Sie bieten Vögeln Nistplätze, Insekten Nahrung und uns Menschen Freude über das ganze Jahr hinweg.
Im Frühling und Sommer blühen die verschiedenen Sträucher, dann werden die Beeren reif und leuchten mit den Blättern im Herbst um die Wette. Im Winter geben die Heckensträucher dem Garten Struktur und Schutz.

Vorteile lebendiger Hecken

  • Ökologisch wertvoll, da Nahrung und Lebensraum für viele Arten
  • Pflegeleicht und kein ständiges Formschnitt-Drama
  • Ganzjährig attraktiv, mit wechselnden Farben und Strukturen
  • Individuell – jeder Garten bekommt seinen eigenen Charakter

Der Herbst und das Frühjahr sind die perfekten Zeiträume, um über Hecken neu nachzudenken.
Ob Sichtschutzhecke, Raumteiler oder Dufthecke – mit heimischen Sträuchern entsteht nicht nur ein schönerer Garten, sondern auch ein wertvoller Lebensraum.

Also leg los, Thujen raus, Vielfalt rein und schon bald summt, duftet und zwitschert es in Deinem Garten wie nie zuvor.

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