Blickachsen und Blickpunkte in der Gartengestaltung
Beim Motorradfahren hab ich gelernt: guckst Du sch*, fährst Du sch*. Und das stimmt, denn das Motorrad folgt dem Blick. Also musst Du dahin schauen, wo Du hinwillst. Wer nämlich starr auf ein Hindernis blickt, fährt meist genau darauf zu und das willst Du unbedingt vermeinen. Denn es kann richtig böse ausgehen.
Warum ich in auf einem Blog rund ums Gärtnern vom Motorradfahren spreche?
Blickführung ist in vielen Bereichen wichtig. Nicht nur im Straßenverkehr, auch im Webdesign, im Marketing, in der Fotografie und in der Kunst ist die Blickführung elementar und wird durch unterschiedliche Mittel beeinflusst. Designer nutzen zum Beispiel Kontraste, Farben oder Pfeile, um die Aufmerksamkeit des Nutzers gezielt auf wichtige Elemente zu lenken. In der Bildgestaltung bestimmen Elemente wie Linien im Bild, Licht-Schatten-Verläufe und die Anordnung von Motiven den Weg, den das Auge beim Betrachten des Bildes nimmt.
Dies kannst Du auch im Garten super nutzen.
Definition:
Unter Blickführung versteht man die bewusste Steuerung der eigenen Augen, um die Aufmerksamkeit zu lenken oder Bewegungen zu koordinieren. Je nach Kontext spielt sie eine zentrale Rolle für die eigene Sicherheit, im Design oder in der Fotografie.
Schon seit Jahrhunderten nutzen Gartengestalter Sichtachsen und Blickpunkte in der Gartenplanung. Oft steht am Ende einer Sichtachse etwas Sehenswertes: ein toller Baum oder Strauch, eine Skulptur oder ein Pavillon oder der Blick wird auf die offene Landschaft am Ende der Sichtachse gelenkt. Hier kannst Du Dir die optische Täuschung zu Nutze machen. Lineare, schmale Wege betonen die Länge der (Sicht-) Achse. Breitere, geschwungene Wege machen neugierig auf das, was hinter der nächsten Kurve kommt.
Hast Du schon mal darauf geachtet, wo Dein Blick entlang gleitet, wenn Du im Garten bist? Im Grundstück und darüber hinaus?
Gibt es Stellen, die vor Blicken geschützt werden müssen oder etwas wo Du nicht mehr drauf schauen willst?
Wie oft hast Du auch die räumliche Höhe mit berücksichtigt?



Definition:
Blickachsen (oder Sichtachsen) sind gezielt angelegte Sichtverbindungen, die den Blick vom Haus oder von bestimmten Standorten im Garten in die Ferne oder auf besondere Highlights lenken. Sie strukturieren das Grundstück, schaffen räumliche Tiefe, wecken Neugier und inszenieren den Garten als spannendes Erlebnis.
Schau Dich doch mal in Deinem Garten um, wie Du dieses klassische Element aus der Gartengestaltung bei Dir einsetzen kannst.
Du kannst Sichtachsen zum Beispiel an der Terrassentür starten lassen oder vom Sitzplatz in einem anderen Gartenteil aus. Es bietet sich auch an, vom Gartentörchen in Richtung Haus oder einmal quer über den Teich zu schauen. Nutze gern bereits vorhandene Wege für die gezielte Blickführung. Diese bestehenden Achsen kannst Du mit einer niedrigen Einfassung aus Pflanzen wie Lavendel, Storchschnabel oder Eibe betonen.
Das Spielen mit den Blickachsen wirkt sich auf den Raum aus. Damit lässt Du den Garten größer und spannender wirken, lenkst den Blick auf Highlights im Garten und setzt damit gezielt einen Fokus. Pflanzen oder bauliche Elemente können den Ausblick einrahmen und ihm Tiefe verleihen.
Für die Gestaltung der Blickachsen kannst Du neben den vorhandenen Wegen auch Formgehölze oder geschnittene Hecken nutzen. Eine Pergola, ein Rosenbogen oder ein Zaunelement bieten sich auch an. Skulpturen, Brunnen, Sitzbänke oder bepflanzte Obelisken am Ende der Achse belohnen Deinen Blick in die Ferne.
Hier kommen noch ein paar Tipps für Deine Planung
Überlege, ob Dir Symmetrie oder Asymmetrie besser gefällt. Gerade Sichtachsen wirken formell, beruhigend und erinnern an barocke Gärten. Diagonale Achsen oder geschwungene Linien wirken hingegen natürlicher, lebendiger und größer.
Natürlich kannst Du auch beides mischen.
Schaffe durch das Setzen von hohen Stauden, Sträuchern oder Zäunen Räume im Garten. Wie im Haus wird der Garten dadurch in verschiedene kleine (Garten-) Zimmer aufgeteilt. Meistens hat jedes Gartenzimmer eine unterschiedliche Nutzung und Funktion.
Oft geht der Hauptblick vom Haus aus in Richtung Garten. Nutze also die Perspektive vom Wohnzimmerfenster oder der Terrasse aus, wenn Du die Hauptsichtachse gestaltest. So kannst Du auch Haus und Garten, also innen mit außen, verbinden.
Beziehe gern die Umgebung mit ein. Eine schöne Blickachse endet nämlich nicht zwingend an Deinem Gartenzaun. Schöne Bäume oder andere markante Punkte in der Nachbarschaft bieten sich an, optisch mit einbezogen zu werden.


Beispiele aus dem pflanzenschön-Garten: Hier dient die Dufthecke als Blickschutz für den Schuppen des Nachbarn und die Blutbuchenhecke als Blickstopper vom oberen Eingang aus und die kleine Hainbuchenhecke übernimmt das am unteren Eingang.
Es ist auch eine Blickachse an den Felsenbirnen entlang der Natursteintreppe zum Schattenbeet hin entstanden und wer den Wandelpfad hochkommt, erblickt die weißblühende Kletterrose am alten Baum.
Nutzt Du in Deinem Garten bereits die gezielte Blickführung? Schreibs mir gern in die Kommentare.
Brauchst Du Unterstützung bei der Gestaltung Deines Gartens? Dann melde Dich gerne bei mir!

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